Neue OZ: Kommentar zu Italien / Regierung / Wahlen

Osnabrück (ots) – Tollhaus Italien

Ist Silvio Berlusconi von allen guten Geistern verlassen? Ja – und nicht erst seit diesem Wochenende. Jetzt inszeniert der Ex-Premier wieder ein Stück aus dem Tollhaus.

Der 76-jährige Milliardär zwingt die Technokraten-Regierung von Mario Monti zum Rückzug und kündigt zugleich sein Comeback an – obwohl der Cavaliere in Sex-Skandale verstrickt ist und von Anklagen überhäuft wird. Zudem hat er in seinen Amtsjahren bewiesen, dass er nicht dem Wohl Italiens dient, sondern nur dem eigenen.

Die Regierungskrise trifft das wirtschaftlich dahinsiechende Italien hart. Unter dem Finanzexperten Monti gewann Europas drittgrößte Volkswirtschaft das Vertrauen der Kapitalmärkte und Investoren zurück. Jetzt droht Italien wieder der Ruf eines Bunga-Bunga-Imperiums, in dem die Lex Berlusconi gilt.

Für die krisengeplagte Euro-Zone ist das ein Alarmzeichen. Montis harter Sparkurs und Steuererhöhungen waren erste Schritte, um Italien vor einem Absturz griechischen Ausmaßes zu bewahren. Jetzt wird das Land vom Machtvakuum gelähmt. Wichtige Reformen bleiben nun auf der Strecke.

Für Europa wäre es ein Albtraum, wenn Italiens Wähler den Medienmogul in den Regierungspalast Chigi zurückschicken würden. Berlusconi führt sich wie ein spätrömischer Kaiser auf, der, umgarnt von Hofdamen, den Blick für die Realität verliert.

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