Dr. Anemone Bippes: Gottlob haben wir den Mittelstand!

Schwächere Weltwirtschaft, digitale Transformation, steigende Lohnkosten – DAX Konzerne wollen 100.000 Stellen abbauen

Dr. Anemone Bippes: Gottlob haben wir den Mittelstand!

Mittelständische Unternehmen sind die Jobmotoren der Wirtschaft.

VW, BMW, Thyssen-Krupp, Audi & Co. reagieren auf die schwächelnde Weltwirtschaft. Eine schnelle Rückkehr zur Hochkonjunktur wird nicht erwartet. Wir erinnern uns alle an die Wirtschafts- und Finanzkrise vor zehn Jahren. Dax Konzerne wollen 100.000 Stellen abbauen. Als im vergangenen Jahr rund jeder dritte börsennotierte Konzern mit Ertragswarnungen an die Öffentlichkeit ging, ging der DAX in den Keller – um 18 Prozent im Gesamtjahr. Allein die 30 Unternehmen des DAX wollen nach Berechnungen des Handelsblatts im laufenden Jahr 2019 mit Hilfe von Abfindungen, Vorruhestand und Fluktuation 100.000 Stellen abbauen. VW davon allein mehr als 30.000. Hinzu kommen Sparprogramme, mit denen die Ergebnisse verbessert werden sollen. Thyssen-Krupp will 2.000 Stellen streichen, die Post will 400 Millionen pro Jahr einsparen. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten.

Vor allem die Automobilindustrie ist von einem Wandel betroffen. Im Kern geht es den großen Unternehmen vor allem um Kostensenkungen. Es geht um den Abbau von Personal in unrentablen Bereichen, um Kapazitäten für Zukunftssparten zu schaffen. Die 30 DAX Unternehmen beschäftigen heute insgesamt 3,7 Millionen Mitarbeiter – so viele wie vor zehn Jahre.

Ich bin froh, dass wir in Deutschland einen starken Mittelstand haben. Prominente Ökonomen fordern in diesen Tagen die Bundesregierung dazu auf, sich verstärkt um den Mittelstand zu kümmern und nicht ausschließlich um die großen Konzerne.

Seit vielen Jahren zeigt sich – Familiengeführte mittelständische Unternehmen sind die Jobmotoren unserer Wirtschaft. Eine Studie des ZEW-Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen kommt jetzt genau zu diesem Ergebnis. Zwischen 2007 und 2016 hätten die 500 größten Firmen in Familienhand ihre Beschäftigtenzahlen am Standort Deutschland um 23 Prozent auf insgesamt 2,57 Millionen Stellen ausgebaut – vorneweg die Metro, Robert Bosch, Aldi, Henkel, Bertelsmann, Heraeus und die Schwarz-Gruppe. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, betonte, der deutsche Erfolg lebe von den Weltmarktführern, „den Hidden Champions des Mittelstands, die wesentlich die Beschäftigungsdynamik treiben“.

Der Mittelstand ist prägend für die deutsche Wirtschaft. 90 Prozent der Unternehmen werden von Familien kontrolliert. Sie beschäftigen rund 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer. Hier gibt es keine Firmenjets. Einen Bonus gibt es nur bei Erfolg statt bei Betrug, wie geschehen bei Volkswagen. Verantwortung und Risiko sind nicht entkoppelt.

In den familiengeführten Firmen gilt das Leitbild des ehrbaren Hamburger Kaufmanns, nicht das der Finanzjongleure der Wall Street. Der Mittelstand denkt nicht von Monat zu Monat oder von Quartal zu Quartal. Mittelständische Unternehmen denken und planen in die Zukunft, viele planen in Generationen. Hektik zählt nicht zu den Merkmalen des Mittelstandes.

Privater Blog von Dr. Anemone Bippes.

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