Schlagwort: Personalschlüssel

Bewegungsförderung im Kindergarten

Worauf Eltern vor der Anmeldung achten sollten

Bewegungsförderung im Kindergarten

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sup.- Wenn Eltern für ihren Nachwuchs einen Kita-Platz suchen, spielen die Öffnungszeiten, die Gebühren sowie die Nähe zu Wohnort oder Arbeitsplatz meist eine wichtige Rolle. Auch die Verpflegung, die Gruppengröße und der Personalschlüssel für die Betreuung sind maßgebliche Faktoren. Ein weiteres Qualitätskriterium mit enormen Konsequenzen für die Zukunft des Kindes hat dagegen viel mehr Aufmerksamkeit verdient als ihm oft zugestanden wird: Die Frage nach der Bedeutung spielerischer Bewegungsförderung im Kita-Konzept sollte beim Info-Gespräch auf keinen Fall vergessen werden. Denn gerade im Kindergartenalter sind ausreichend körperliche Beanspruchung und Betätigung unverzichtbar für eine gesunde Entwicklung. Hier müssen die „Bewegungsfähigkeiten“ erworben werden, die nicht nur Muskeln, Knochen sowie das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem stärken, sondern auch die kognitiven bzw. motorischen Fähigkeiten und nicht zuletzt die soziale Kompetenz.

Welchen Stellenwert die körperliche Aktivität der Kleinen in der Einrichtung einnimmt, lässt sich oft schon bei einer ersten Besichtigung feststellen. Ein großer Bewegungsraum mit viel Platz zum Toben ist natürlich ein vielversprechendes Indiz, eine geräumige Außenfläche mit geeigneten Klettergerüsten erst recht. Kindergärten und Kindertagesstätten schaffen damit im wahrsten Sinne des Wortes „Spielräume“, die kaum eine elterliche Wohnung zu bieten hat. Zu einer bewegungsfördernden Ausstattung gehören darüber hinaus weiche Bodenbeläge, transportierbare Spielgeräte und Flächen, die den Kindern Raum für eigene Gestaltungsideen lassen.

Wichtig ist aber auch, dass diese Möglichkeiten tatsächlich genutzt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Kitas zwar mehrere Outdoor-Zeiträume pro Tag anbieten, diese aber längst nicht von allen Kindern wahrgenommen werden. Und manche Kinder belassen es bei ein paar Minuten intensiver Bewegung, obwohl sie einige Stunden im Freien verbringen. In diesen Fällen sind pädagogisch gut qualifizierte Kita-Fachkräfte gefragt, die den Kindern den Spaß an einem bewegungsfreudigen Lebensstil vermitteln können. Ob das Team über die entsprechenden Kompetenzen verfügt bzw. sich in Fortbildungen aneignet, darf ebenfalls als Qualitätskriterium der Einrichtung gelten. Ohne Mitwirkung der Eltern können aber selbst geschulte Erzieherinnen keine vorschulischen Bewegungsmuffel zu künftigen Sportskanonen machen. Ein möglichst aktiver Familienalltag, in dem auch die Wochenenden nicht auf dem Sofa verbracht werden, unterstützt die Bewegungsangebote der Kita. Tipps dazu gibt es beispielsweise auf Ratgeberportalen wie www.pebonline.de oder www.komm-in-schwung.de.

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Pflege: Ein bundesweiter Personalschlüssel muss her!

Fachkräfte aus dem Norden wandern ab

Pflege: Ein bundesweiter Personalschlüssel muss her!

IQD-Experte Gregor Vogelmann

Gregor Vogelmann vom IQD kommentiert in seiner 14-tägigen Kolumne auf die-Pflegebibel.de aktuelle Entwicklungen auf dem Pflegemarkt. Als Qualitätsmanagement-Experte spricht er Klartext, kritisiert und erklärt. Dieses Mal: Ein Land, viele Personalschlüssel.

„Andere Länder, andere Sitten. Das gilt nicht nur für Kultur und Essgewohnheiten. Im deutschen Bundesländervergleich finden sich sogar im Bereich der stationären Pflege große Unterschiede. Zwar legt das Pflegeversicherungsgesetz die Anforderungen an Pflege-Einrichtungen bundesweit fest, wie diese aber ausgestaltet werden, liegt in Länderhand.

Müsste recht ähnlich aussehen, oder? Nein! Nehmen wir zum Beispiel den Personalschlüssel. Dieser schwankt je nach Region gewaltig. Kümmern sich in Baden-Württemberg durchschnittlich 41 Pflegende um 100 Senioren, müssen in Hamburg 37 Pflegekräfte dieselbe Arbeit leisten. Noch schlechtere Bedingungen herrschen in Sachsen vor. Dort versorgen nur 35 Personen 100 Pflegebedürftige. Mecklenburg-Vorpommern bildet mit knapp 32 Beschäftigten pro 100 Bewohnern das Schlusslicht der deutschen Heim-Personalbemessung.

Da bleibt nur ein Kopfschütteln. Sind laut unserem Grundgesetz doch alle Menschen gleich. Trotzdem scheint es rechtens zu sein, dass Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg mehr Zeit zugestanden wird, als ihren Altersgenossen in Sachsen. Oder andersherum: Pflegende in Mecklenburg-Vorpommern werden ganz selbstverständlich stärker belastet, als ihre Kollegen in Hamburg. Halten Sie das für menschenwürdig vertretbar?

Ich nicht. Kein Wunder, dass examinierte Fachkräfte aus dem Norden in andere Bundesländer abwandern. Die Arbeitsbelastung ist selbst im Südwesten überdeutlich zu spüren. Und wie angespannt muss der Heimalltag mit – im Extremfall – neun Pflegenden weniger sein.

Deshalb fordere ich eine einheitliche Personalbemessung für die gesamte Bundesrepublik. Und diese muss sich eindeutig an den bisher höher angesetzten Länderschlüsseln orientieren. Ein Land – ein Personalschlüssel.“

Die Pflegebibel ist das unabhängiges Online-Magazin rund um Pflegethemen. Mit erstklassigem Journalismus wollen wir die Kluft zwischen Beteiligten schmälern und darüber hinaus Raum zur Diskussion schaffen. Die Pflegebibel blickt hinter die Kulissen. Sie informiert, erklärt und deckt auf.

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Kinderkrippe und „ADHS“

Schlechte Kinderkrippen erhöhen die Zahl von ADHS-Diagnosen

BildObwohl es mittlerweile rein zahlenmäßig genügend Kitaplätze in Deutschland gibt, ist die Qualität der Kinderbetreuung insgesamt ungenügend. Darauf weist auch der Münchner Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch kürzlich wieder deutlich hin (1). Brisch hat die frühe Eltern-Kind-Bindung intensiv erforscht, auch zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Pionier der Kinderheilkunde Prof. Dr. Theodor Hellbrügge, der stets vor zu früher und mangelhafter Fremdbetreuung von Kleinkindern in Kinderkrippen gewarnt hat.

Die Relation von Kindern, die eine Erzieherin in unseren Kitas zu betreuen hat, ist eines der wesentlichen strukturellen Qualitätsmerkmale der Kinderbetreuung. In Deutschland kommen derzeit auf eine Erzieherin im Durchschnitt 4,8 Babies und Kleinkinder von 0-3 Jahren, 5,2 Kinder im Alter von 0-8 Jahren oder 9,3 Kinder im Alter von 2-8 Jahren (2). Das ist in allen Fällen mangelhaft. Karl Heinz Brisch setzt im Einklang mit anderen Bindungsforschern einen Personalschlüssel für Säug-linge und Kinder bis zum 1. Geburtstag von 1:2, für ältere Kleinkinder von 1:3 voraus, damit die Kinder eine ungestörte Entwicklung nehmen können. Das ist in den allermeisten deutschen Kitas aber nicht gegeben (1).

Dass eine mangelhafte Krippenbetreuung bei Kleinkindern auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, später eine ADHS-Diagnose zu erhalten, konnten Babchishin u. a. kürzlich in einer prospektiven Studie eindrucksvoll belegen (3). Die kanadischen Forscher konnten zeigen, dass die Qualität der Krippenbetreuung im ersten Lebensjahr einen deutlichen Einfluss auf das Verhalten der Kinder im Alter von 6-7 Jahren hat. Mangelhafte Krippenbetreuung im ersten Lebensjahr stand in klarem Zusammenhang mit späterer Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, welche gemeinhin als Hauptsymptome einer vermeintlichen ADHS gelten.

Auch der Psychoanalytiker Hans Hopf, Kuratoriumsmitglied der KONFERENZ ADHS, beobachtet eine Zunahme von Therapieanträgen für Kinder, die viel zu früh in die Krippe gekommen sind, oft im 4. Lebensmonat, so dass ihre frühen Abhängigkeitsbedürfnisse ungestillt geblieben sind. Oft haben sie Angststörungen, die Jungen erhalten die Diagnose „ADHS“ und bekommen Ritalin, obwohl dies besonders bei Angststörungen kontraindiziert ist (4).

Die Qualität der Kinderbetreuung in deutschen Kitas muss also deutlich verbessert werden, um spätere psychische Störungen unserer Kinder, die dann nicht selten zu einer ADHS-Diagnose führen, zu vermeiden. Ein erheblich verbesserter Personalschlüssel als strukturelles Qualitätsmerkmal ist dringend erforderlich.

Quellen:
1. Brinck, Christine: Das Krippenrisiko. DIE ZEIT 4/2014, S. 61 ff.
2. Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/KindertageseinrichtungenPersonalschluessel5225409129004.pdf?__blob=publicationFile
3. Babchishin, Lyzon K., Weegar, K., Romano, E.: Early Child Care Effects on Later Behavioral Outcomes Using a Canadian Nation-Wide Sample. J. Educational Developmental Psychology; Vol. 3, No. 2; 2013
4. Hopf, Hans: Persönliche Mitteilung 2014

Über:

Konferenz ADHS
Herr Reinhard Schmidt
Lange Fuhr 29
53332 Bornheim
Deutschland

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